Spessart

Es ist eine überstrapazierte Beobachtung, dass ein sehr kurzes Leben opulent mit Erlebnissen und Taten angefüllt sein kann, während andere Biografien (die diesen Namen nicht verdienen) sich in hohem Alter vollenden und mit nichts angefüllt sind als mit Atmen und Stoffwechsel, mit kleinlichen Gedankenrülpsern und jahrzehntelangem Warten auf den Tod. Dieser zweiten Kategorie müssen wir uns nicht widmen. Interessant ist lediglich die erste. Alexander dem Großen genügten 32 Lebensjahre, um sein Reich, ursprünglich nur bestehend aus dem Kleinstaat Makedonien, bis nach Indien und Ägypten hin auszudehnen. Wilhelm Hauff schuf seine atmosphärisch einmaligen Märchen und Sagen, den „Kleinen Muck“ und „Das kalte Herz“ als ausgesprochen junger Mann und starb mit 24 Jahren in Stuttgart an Typhus. Egon Schiele musste das Malen dürrer Mädchen mit Augenringen und gespreizten Beinen im Alter von 28 Jahren mangels genügender Vitalfunktion einstellen. Das sind Beispiele dessen, was in kurzer Zeit zu schaffen ist. Leider habe ich selbst von dieser Zeit nur einen Bruchteil. Ich will trotzdem das Maximum herausholen. Dummerweise bin ich ans Bett gefesselt. All das Grandiose und Ungeheuerliche, das ich mir noch sichern will, hat in meinem Kopf stattzufinden.

Weiter